Alpen 1998: Staller Sattel, Sella-Runde, Brenner
Bei der ersten Fahrt in die Dolomiten blieben noch das Sella- und Grödnerjoch übrig. Desweiteren waren im diesjährigen Urlaubsgebiet noch der Staller Sattel und der Brenner unbefahren. Grund genug, alles auf einer Abschluß-Tour zu verbinden. Also ging's am 13.08. gegen 8.oo Uhr morgens los. Petra hatte nicht richtig ausgeschlafen und es war besser für sie, diesmal nicht mitzufahren. Um 20.15 Uhr kam ich nach ca. 600 km Fahrstrecke wieder zurück. Besonders beeindruckend war die Sella-Runde.
In Kürze:
Saalbach, Mittersill, Felbertauern-Tunnel, Matrei (Ostt.), Huben, Staller Sattel, Mitterolang, Bruneck, Niedervintl, Meransen, Franzensfeste, Brixen, St. Ulrich, Wolkenstein, Sellajoch, Pordojjoch, Pso. Campolongo, Corvara, Grödner-Joch, Kastelruth, Brixen, Sterzing, Brennerpaß. Innsbruck, Wörgl, Hopfgarten, St. Johann i.T., Fieberbrunn, Leogang, Saalfelden, Saalbach.
600 km
Im Detail:
Die Fahrt bis nach Lienz habe ich in der Tour 'Dolomiten, Timmelsjoch' bereits beschrieben. Diesmal geht es aber nicht ganz bis nach Lienz sondern wir biegen vorher bei Huben rechts in das Defereggental ab.
Wir folgen dem malerischen Tal entlang der Schwarzach durch die Orte
St. Veit, St. Jakob und Erlsbach. Die Strecke läßt sich gut fahren und
stellt keine besonderen Ansprüche. Rechter Hand erheben sich die Hohen
Tauern mit der Lasörlinggruppe, links das Deferegger Gebirge. Auf beiden
Seiten führen viele Material-Seilbahnen hinauf auf die Almen.
Für Sportflieger muß dieser luftige Maschendraht eine besondere Herausforderung sein.
Nach Erlsbach biegen wir links zum Staller Sattel ab und folgen dem Staller Almbach in Kehren und Kurven hinauf bis zum Obersee, der plötzlich rechts vor uns auftaucht. Der Straßenbelag ist auf der Bergstrecke leider etwas holprig, aber problemlos.
Kurz hinter dem Obersee sind wir auf dem höchsten Punkt bei 2092
Höhenmetern an der Österreichisch/Italienischen Grenze angekommen. Hier
müssen wir bis zur vollen Stunde warten, da auf der italienischen Seite
Einbahn-Verkehr herrscht. Die Abfahrt ist nach der vollen Stunde für 15
Minuten geöffnet und wird dann wieder gesperrt. Vom 16.5. - 30.9. ist
der Übergang von 7-20 Uhr geöffnet, ansonsten von 8-18 Uhr. Ein Tipp:
Vor der Abfahrt unbedingt nach vorne bis zur Ampel vor die Autos
drängeln, sonst kann man bergab dahinter herschleichen. Die
Abfahrt ist einfach ein Erlebnis. Die Straße hat einen hervorragenden
Belag, ist aber verdammt schmal. Auf der einen Seite geht es teilweise
fast senkrecht rauf und an der anderen genauso steil runter.
Absturzsicherungen gibt es nicht.
Eigentlich gibt es keinen Gegenverkehr, aber man sollte sich nicht darauf verlassen. So gibt es Radfahrer, die es nicht in 45 Minuten hoch schaffen und dann plötzlich und unbedingt in einer Kehre auftauchen müssen.
Der Weg führt hinunter zum Antholzer See, dem Verkehr nach einem beliebten Reiseziel der Italiener. Durch Wald, an Gasthäsuern vorbei, geht es links am idyllisch gelegenen See entlang weiterhin bergab nach Antholz. Kurz vor Mitterolang biegen wir rechts auf die 49 nach Bruneck ab.
Als Variante bietet sich an, kurz nach Bruneck in Sonnenberg links auf 244 abzubiegen und über Abtei nach Corvara zu fahren und von dort aus ins Sella-Karussell einzusteigen.
Mein
Weg ging diesmal auf der 49/E66 weiter über Niedervintel nach Mühlbach
und die Serpentinen hoch nach Meransen. Diesen Ort kannte ich noch vom
einem Skiausflug mit der Schulklasse vor ca. 25 Jahren und wollte mich
dort einfach einmal umsehen, was in einem viertel Jahrhundert alles
passiert ist. Jedenfalls ist aus der alten Kneipe in der uns die
Großmutter den Roten servierte inzwischen ein großes Hotel mit gleichen
Namen geworden und der Ort aufs Doppelte angewachsen.
Die Straße hoch nach Meransen ist gut ausgebaut und läßt schon den
einen oder anderen Aufsetzer zu. Leider führt nur diese wieder zurück
nach Mühlbach. Aber wie schon gesagt, es macht Spaß, sie zu fahren. Von
Mühlbach aus bleiben wir weiter auf der 12 entlang des Eisacks bis nach
Klausen. Dort halten wir uns links und fahren auf der 242d durch das
Grödnertal nach St. Ulrich. Dabei wird die Strecke für Motorradfahrer
wieder interessanter. Die Strecke steigt permanent in Kurven an bis
Wolkenstein, einem äußerst malerisch gelegenen Ort unterhalb der
Sellagruppe. Von hier zieht die Strecke richtig an und es geht über den
Kreuzboden hinauf auf's Sellajoch (2240m, Pso. Sella) . Hier bieten sich
phantastische Hochgebirgs-Panoramen. Vor einem die hoch aufragenden
Felswände der Marmolada (3343m), hinter einem die Seiser Alpe. Kurz über
den Paß sieht man hinüber zum nächsten Ziel, dem Pordoj-Joch (Pso.
Pordoj).
Der Auf- und Abstieg vom Sellajoch war die beeindruckendste Strecke dieses Urlaubs. Wir fahren das Sellajoch hinunter bis fast nach Canazei. Vorher biegen wir jedoch im Wald links zum Pordoj-Joch ab. Die Auffahrt macht viel Spaß, die Abfahrt über die gut ausgebaute Straße mit übersichtlichen Kehren nach Arabba noch mehr. Mitten in Arabba zweigen wir links ab zum Pso. d. Campolongo. Der Aufstieg von Arabba (1602 m) auf die 1875 m des Passes ist eine Kleinigkeit. Vor Corvara kommt jedoch noch mal eine schöne Wedelstrecke hinunter ins Tal.
Hinter
Corvara fahren wir links nach Kohlfuschg auf die 243. Von da aus
schlängeln wir uns auf's 2141m hoch gelegene Grödner Joch (Pso. di
Gardena). Ähnlich dem Sellajoch gibt es hier nicht so viel Gaststätten
und Souvenierläden als auf dem Pordoj. Die Umgebung ist jedoch
phänomenal. Wer Berge und Fels liebt, kommt hier voll auf seine Kosten.
Vom Grödner Joch hinunter folgen wir der Straße wieder bis Wolkenstein und durch das Grödner Tal zurück bis St. Ulrich. Dort halten wir uns links Richtung Kastelruth. Wir fahren durch die Ortschaft Kastelruth hindurch nach Waidbrück und von dort aus auf der 12 nach Klausen.
Von
Klausen bis Sterzing legte ich eine Autobahnetappe ein (Maut: Lire
3.500) um etwas Zeit aufzuholen. Zusätzlich türmten sich immer
Regenwolken auf. Die Autobahnfahrt wurde von starken Böen begleitet.
Nach der Ausfahrt Sterzing biegen wir rechts ab in Richtung Ortschaft und folgen dem Weg nach Gossensass und weiter über den Brenner. Der Brennerpaß ist eigentlich enttäuschend. Von der italienischen Seite fährt man einfach einen Hügel hoch auf dem einen oben irgendwelche Klamottenläden in ungepflegtem Ambiente erwarten.
Die Abfahrt über Gries und Matrei a.B. nach Innsbruck hingegen macht wieder richtig Spaß. Es bleibt auch nach dem Urlaub eine Freude sich daran zu erinnern, falls man die Geschwindigkeitsbegrenzungen eingehalten hat. Es gibt hier automatische Kontrollen, die speziell für Biker nur von hinten blitzen!
Von Innsbruck West bis Wörgl war mal wieder eine Autobahnetappe
angesagt. Dafür war die Fahrt durch's Brixental von Hopfgarten nach Kirchberg
und Kitzbühel eine wunderbare Strecke.
Über St. Johann, Fieberbrunn und Saalfelden führte dann der Weg wieder zurück nach Saalbach.
Fazit: Die Sellarunde war Spitze. Aber auch das Defereggental und der Staller Sattel war ein Erlebnis. Wer nichts mit Meransen am Hut hat, empfehle ich die genannte Variante zu fahren. Allerdings muß man dann zweimal übers Grödner Joch. Auch nicht schlecht!
Copyright 1998-2006, Harald Meyer, 96193 Wachenroth. Letzte Änderung 11.11.06